{"id":373,"date":"2009-07-04T19:48:36","date_gmt":"2009-07-04T19:48:36","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.gletscherflug.ch\/?page_id=373"},"modified":"2018-01-13T19:56:42","modified_gmt":"2018-01-13T18:56:42","slug":"die-privaten-retter-fredy-wissel-und-hermann-geiger","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gletschair.li\/index.php\/geschichte\/die-privaten-retter-fredy-wissel-und-hermann-geiger\/","title":{"rendered":"Die privaten Retter Fredy Wissel und Hermann Geiger"},"content":{"rendered":"<p>Die weltweit ber\u00fchmt gewordene <a href=\"\/index.php\/geschichte\/rettung-vom-gauli-gletscher\/\">Rettung vom Gauli Gletscher<\/a> mit den beiden Fieseler St\u00f6rchen war keineswegs eine verwegene Zuf\u00e4lligkeit, sondern das Resultat gewissenhafter Erprobung und Weiterentwicklung von Materlial und Technik. Federf\u00fchrend daf\u00fcr waren die beiden Obersten der Fliegerturppe Dr. Othmar Bloetzer und Andr\u00e9 Bridel in den Jahren 1942 bis 1945, die mit den Fieseler St\u00f6rchen hunderte von Fl\u00fcgen und Landungen im Gebirge auf Skiern ausgef\u00fchrt und dabei ca. 45 Menschen gerettet haben.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"190\" height=\"118\" class=\"alignnone size-full wp-image-8453\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.gletscherflug.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Wissel.gif\"><\/div>\n<p>Diese Rettungen haben den St. Moritzer Hotelier Fredy Wissel, der erst mit 40 Jahren seinen Motorflugschein gemacht hatte, inspiriert seinerseits \u00fcber Landungen in den Bergen nachzudenken. Ein gl\u00fccklicher Zufall wollte es gar, dass Viktor Hug, einer der Retter vom Gauli Gletscher im Jahr 1950 im Hotel von Wissel abstieg, und nat\u00fcrlich wollte Fredy von ihm alles \u00fcber Landungen im Gebirge wissen. Der Funke ist sofort \u00fcbergesprungen, hat ihn doch Hauptmann Hug ermuntert, selber solche Landungen zu versuchen. Nur 6 Tage sp\u00e4ter machte Wissel seine erste Landung in den Bergen auf der 2400 Meter hohen Corviglia mit einer 65 PS Piper L4. 2 Monate sp\u00e4ter landete er auf der Diavolezza und noch im gleichen Jahr auch auf dem rund 3000 Meter hohen Corvatsch. Diese Landungen liegen also mindestens ein Jahr vor denen Hermann Geigers. Damit ist Wissel eindeutig der erste zivile Gletscher und Rettungspilot der Schweiz.<\/p>\n<p>Wissel der von Anfang an der Schweizerischen Rettungflugwacht mit Hilfls und Rettungsfl\u00fcgen in den B\u00fcndner Alpen zur Verf\u00fcgung stand, ist bis ins hohe Alter seiner Passion dem Fliegen und insbesondere dem Gletscherflug treu geblieben.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"280\" height=\"190\" class=\"alignnone size-full wp-image-7423\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.gletscherflug.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/HB-EPR.jpg\"><\/div>\n<p>Sein zweites Flugzeug war eine d\u00e4nische KZ VII, das mit Festskiern ausgestattet war und daher nur bei Schneepiste in Samaden starten konnte. Im Volksmund hatte dieses erstaunliche kurzstartf\u00c3\u00a4hige Kleinflugzeug wegen seiner festen Vorfl\u00fcgel nicht ganz zu unrecht den Namen D\u00e4nischer Storch erhalten. Bald einmal nannte Wissel auch eine Piper Super Cub sein eigen, und noch etwas sp\u00e4ter war er auch Besitzer zweier Maule M4, die beide selbstverst\u00e4ndlich mit Skiern ausgestattet waren. Nebst unz\u00e4hligen Rettungen stehen auch eine stattliche Anzahl von touristischen Fl\u00fcgen mit vielen prominenten G\u00e4sten des Nobelkurortes St. Moritz in Wissels Flugb\u00fcchern. Eine pers\u00f6nliche Widmung von Schah Resa Pahlavi habe ich selber in einem der alten Flugb\u00fccher in Augenschein genommen. Fredy Wissel starb 1994 im Alter von 90 Jahren in St. Moritz.<\/p>\n<p>Wissel sollte nicht lange der einzige in der Schweiz bleiben, der es wagte auf privater Basis Rettungen im Hochgebirge auszuf\u00fchren.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"280\" height=\"213\" class=\"alignnone size-full wp-image-7188\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.gletscherflug.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Geiger.jpg\"><\/div>\n<p>Der Polizist und begeisterte Segelflieger Hermann Geiger kam im Jahre 1947 nach Sion um dort den Posten als Flugplatzw\u00e4rter anzunehmen. Ihm war dies absch\u00e4tzige Bezeichnung einerlei, wenn er nur seinem grossen Traum etwas n\u00e4her kam, im Gebirge fliegen zu d\u00fcrfen. Die grossen Bauvorhaben an den Stauseen der damaligen Zeit brachten vor allem in den Wintermonaten erhebliche Versorgungsprobleme mit sich. Hermann Geiger erkannte sogleich die Marktl\u00fccke und machte sich mit zahlreichen Materialabw\u00fcrfen \u00fcber den Baustellen bald einmal unentbehrlich. Bald erkannte er, dass nicht nur Abw\u00fcrfe machbar sein m\u00fcssten, sondern dass Landungen durchaus m\u00f6glich w\u00e4ren, und dass dies ganz neue M\u00f6glichkeiten bei der Versorgung, aber auch der Rettung von verletzten Personen er\u00f6ffnen m\u00fcsste. 1952 wagte er auf dem Kanderfirn seine erste Landung. Viele tausende folgten, und hunderte, wenn nicht tausende von Menschen konnten Dank Geigers unerm\u00fcdlichem Einsatz aus Bergnot gerettet werden.<\/p>\n<p>Hermann Geiger wurde so mit seinen Fl\u00fcgen bald einmal zu einem Schweizer Volkshelden. Er hat die Gebirgsfliegerei in den Alpen entscheidend gepr\u00e4gt, vor allem auch darum, weil er unerm\u00fcdlich weitere Piloten in die Kunst der Gletscherfliegrei eingef\u00fchrt hat. Zahlreiche heute klingende Namen reihten sich bei ihm als gelehrige Flugsch\u00fcler ein. <a href=\"http:\/\/www.flight-system.com\/HGiraud01.htm\">Henri Giraud<\/a> in Frankreich gleichwohl wie Edi Bodem in \u00d6sterreich oder Fernand Martignoni aus Sion. Vor allem diese rege Schult\u00e4tigkeit auch all derer, die nach ihm kamen hat dazu gef\u00fchrt, dass sowohl in der Schweiz als auch in Frankreich und Italien sich trotz schnellem Aufkommen der Helikopterrettungen eine echte Tradition des Gletscherfliegens hat durchsetzen und halten k\u00f6nnen. Diese Tradition ist ein grossartiges Verm\u00e4chtnis Hermann Geigers, das wir nicht leichtfertig aufgeben d\u00fcrfen.<br \/>\nHermann Geiger starb 1966 im Alter von 52 Jahren w\u00e4hrend eines Schulungsfluges bei einer Kollision in der Platzrunde vom Flugplatz Sion.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die weltweit ber\u00fchmt gewordene Rettung vom Gauli Gletscher mit den beiden Fieseler St\u00f6rchen war keineswegs eine verwegene Zuf\u00e4lligkeit, sondern das Resultat gewissenhafter Erprobung und Weiterentwicklung von Materlial und Technik. 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