{"id":347,"date":"2009-07-04T15:46:16","date_gmt":"2009-07-04T15:46:16","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.gletscherflug.ch\/?page_id=347"},"modified":"2018-01-13T19:42:59","modified_gmt":"2018-01-13T18:42:59","slug":"die-ersten-gebirgsfluge-und-landungen-in-den-bergen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.gletschair.li\/index.php\/geschichte\/die-ersten-gebirgsfluge-und-landungen-in-den-bergen\/","title":{"rendered":"Die ersten Gebirgsfl\u00fcge und Landungen in den Bergen"},"content":{"rendered":"<p>Kaum hatten motorbetriebene Ger\u00e4te schwerer als Luft zum ersten mal 1903 den sicheren Erdboden verlassen, waren es die schwerbezwingbaren Berge, die die ersten Flugpioniere magisch anzogen. Der erste Fluge im Alpengebiet \u00fcberhaupt startete am 10. M\u00e4rz 1910 vom gefrorenen St. Moritzer See auf 1800 Meter. Der Deutscher <a href=\"http:\/\/www.paedag.ch\/Verkehr\/314.html\">Paul Engelhardt<\/a> gewann mit seinem Wright-Doppelldecker damit einen vom Kurverein St. Moritz gestifteten Preis von 2000 Franken. Die dreimalige Umkreisung des Sees dauerte nur 5 Minuten, doch schon am 15. M\u00e4rz blieb der Apparat dann ganze 31 Minuten in der Luft.<\/p>\n<p>Weit h\u00f6her war die Pr\u00e4mie, die demjenigen winkte, der als erster die Alpen \u00dcberqueren w\u00fcrde. Zum Auftakt der Mail\u00e4nder Flugwochen 1910 waren 70000 Goldfranken f\u00fcr die Strecke Brig, Simplon, Domodossola geboten. 10 Piloten hatten gemeldet. Mit einer nur 50 PS starken Bl\u00e9riot gelang dem 23 j\u00e4hrigen Peruaner Geo Chavez am 23. September 1910 das Kunstst\u00fcck. Ganze 42 Minuten hat dieser Flug gedauert, der am Boden von Tausenden begeisterten Menschen beobachtet wurde. Eigentlich schien alles mit grosser Leichtigkeit abzulaufen, ein Triumph ohne Makel sollte es werden. Das Schicksal wollte es anders. War es \u00dcbermut oder waren es doch starke Turbulenzen, die dazu f\u00fchrten, dass der Flugapparat bei einem letzten \u00dcberflug \u00fcber ein Heer von Zuschauern kurz vor der Landung in Domodossola in 15 Meter H\u00f6he in der Luft zerbrach? Wir wissen es nicht, denn Chavez, der den Unfall zun\u00e4chst f\u00fcr 5 Tage \u00fcberlebt hatte, hat uns dieses Geheimnis nicht mehr preis gegeben.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"270\" class=\"alignnone size-full wp-image-6886\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.gletscherflug.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/chavez2.jpg\"><\/div>\n<p>Ganze 2 Jahre lang hat es darauf hin niemand mehr gewagt mit einem Flugzeug den Bergen zu nahe zu kommen. Erst der Schweizer Pilot und Flugzeugkonstrukteur Rene Grandjean hat im Jahr 1912 erstmals wieder Fl\u00fcge vom St. Moritzer See aus unternommen. Dabei kamen auch erstmals in der Luftfahrt an einem Flugzeug Skis zum Einsatz.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"271\" class=\"alignnone size-full wp-image-6594\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.gletscherflug.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bider.jpg\"><\/div>\n<p>Der damals 22 j\u00e4hrige Schweizer Oscar Bider \u00fcberraschte die ganze Welt, als er nur 77 Tage nach Abschluss seiner Flugausbildung in Pau am 23. Januar 1913 die Pyren\u00e4en in einer heimlich umgebauten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bl%C3%A9riot_XI\">Bl\u00e9riot<\/a> auf 3700 Meter H\u00f6he \u00fcberquerte. \u00dcber Nacht war in der Schweiz ein neuer Held geboren. Am 13. Juli 1913 hob Bider in Bern um 04.08 ab, schraubte sich zum Jungfraujoch hoch, \u00fcberflog es in 3600 Meter und wandte sich direkt Richtung Simplon. Er landet auf dem gleichen Feld auf dem Chavez sein Leben verlor, l\u00e4sst nachtanken und geht um 8.44 auf einem mit T\u00fcchern markierten Feld bei Mailand nieder. 13 Tage wartet er hier auf gutes Wetter und fliegt sein Flugzeug dann \u00fcber den Lukmanier und den Kr\u00fczlipass zur\u00fcck in die Nordschweiz, wo er in Liestal niedergeht um nachzutanken und seinen Weg \u00fcber Basel nach Bern zu vollenden. Er hat damit als erster Mensch die Alpen in beide Richtungen \u00fcberquert. Als Fliegerheld war Bider dann massgeblich am Aufbau einer ersten Schweizer Luftwaffe w\u00e4hrend des ersten Weltkrieges beteiligt.<\/p>\n<p>Es war dann auch diese Schweizer Luftwaffe, die als erste Versuche wagte mit Flugzeugen auf einem Gletscher zu landen. Am 16. August 1919 stampften 10 Mann eine etwa 200 Meter lange Piste unterhalb des Jungfraujoches. Die Piste gefror wie erwartet \u00fcber Nacht und bot eine harte Unterlage, um darauf auch mit R\u00e4dern landen zu k\u00f6nnen. Oberleutnant Robert Achermann und Major Arnold Isler stiegen mit einer 150 PS DH-3 von Thun auf und versuchten den gewagten Anflug. Doch eine Windb\u00f6e dr\u00fcckte sie hinunter sodass sie einige Meter vor der Piste im weichen Schnee zu Boden kamen. Der \u00dcberschlag war wirklich filmreif und wurde auch als Zeitdokument auf Zelluloid gebannt. Mit neuem Propeller gelang der Start anderntags und der Flug wurde erfolgreich in Thun beendet.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"280\" height=\"183\" class=\"alignnone size-full wp-image-7179\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.gletscherflug.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Gaudron.jpg\"><\/div>\n<p>Ein erneutes Rauschen im Bl\u00e4tterwald der Welt erzeugte die erfolgreiche Landung des Schweizers <a href=\"http:\/\/www.pionnair-ge.com\/spip1\/spip.php?article203\">Fran\u00e7ois Durafour<\/a> am 30. Juli 1921 auf der 4330 Meter hohen Kuppe des Dome du Go\u00fbtier im Gebiete des Montblanc. Er war mit seinem Doppeldecker Caudron G-3 mit einem 110 PS Motor in Lausanne gestartet und nur eine Stunde sp\u00e4ter auf seinen R\u00e4dern auf dem hartgefrorenen Firn gelandet. Auch der Start gelang einwandfrei, womit diese Unternehmung wohl als der erste von A bis Z erfolgreiche Gletscherflug in die Geschichte eingehen wird.<\/p>\n<p>Die erste Gletscherlandung im Osten wurde am 19. M\u00e4rz 1922 durch Franz Hailer unterhalb der Zugspitze ausgef\u00fchrt. Leider ging dabei der Propeller zu Bruch und die Maschine musste demontiert und in zerlegt ins Tal geschafft werden.<\/p>\n<p>Am 24. Juli 1928 erfolgte erneut eine Landung auf dem Jungfraujoch durch den Berner Hans Wirth mit einer nur 19 PS starken Klemm Eindecker. Am 6. August tat es ihm der Werkspilot der Klemmwerke Lusser gleich, doch sein Flugzeug verf\u00fcgte \u00fcber immerhin 40 PS. Interessant ist, dass man bei beiden f\u00fcr den Start im Schnee die R\u00e4der auf dem Joch demontiert und sie mit Skiern ersetzt hat. Beide Flieger kamen derart ausger\u00fcstet ohne Zwischenfall in die Luft.<\/p>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"280\" height=\"149\" class=\"alignnone size-full wp-image-7591\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.gletscherflug.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Klemm.jpg\"><\/div>\n<p>Viele m\u00f6gen sich an die Film, &#171;St\u00fcrme \u00fcber dem Montblanc&#187; und &#171;Piz Pal\u00fc&#187; erinnern. Leni Riefenstahl spielte neben dem Deutschen Fliegerheld <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Udet\">Ernst Udet<\/a> die Hauptrolle. F\u00fcr die Aufnahmen landete Udet wiederholt 1930 auf dem Trient und dem Orny Gletscher und 1933 auf der Diavolezza. Udet hatte daf\u00fcr Skis an seiner Klemm befestigt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Bayer Franz Hailer ab 1922 versuchsweise anfing von Innsbruck aus per Abw\u00fcrfe aus der Luft hochalpine H\u00fctten mit Brenn und Baumaterial zu versorgen, waren Versorgungsfl\u00fcge in den abgelegenen Gebieten Kanadas und Alaskas von Beginn an nicht wegzudenken. Mehr dar\u00fcber auf dieser Seite.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum hatten motorbetriebene Ger\u00e4te schwerer als Luft zum ersten mal 1903 den sicheren Erdboden verlassen, waren es die schwerbezwingbaren Berge, die die ersten Flugpioniere magisch anzogen. Der erste Fluge im Alpengebiet \u00fcberhaupt startete am 10. M\u00e4rz 1910 vom gefrorenen St. Moritzer See auf 1800 Meter. 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